| 1983 - 2003 |
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KZ »SS-Sonderlager
Hinzert«
(1939 - 1945)
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Lagerskizze: SS-Lagerteil (ca. 22.000 qm, links), Haftlagerteil (ca. 29.000 qm, rechts) Damalige (Graustufen) und heutige (Schraffur) Bauten sowie Veraenderungen in den Katastereintragungen. Legende zu Bauten und Infrastruktur vgl. Materialangebot (.pdf-Datei).
Wichtiger Hinweis fuer Besucher: Das Gelaende des ehemaligen »Schutzhaftlagers« (vgl. Skizze, rechts des Landwirtschaftsweges) kann nicht betreten werden, da sich die zwischen 1939 und 1945 nur gepachteten Parzellen seit 1949/50 wieder in Privatbesitz befinden und landwirtschaftlich genutzt werden. Sichtbare Markierungen zur Ausdehnung des Haftlagerkomplexes fehlen leider. Das Gelaende der heutigen Gedenkstaette umfasst nur einen Teil des ehemaligen SS-Lagerteils. |
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US-Luftbild des Lagergelaendes, 26.07.45, bearbeitet mittels Falschfarbenverfahrens, in der linken unteren Bildecke SS-Lagerteil (oben) und Haftlagerteil (unten). Vorlage/Quelle: LpB |
Ziele: Historisch-politische Bildungsarbeit an einem rheinland-pfaelzischen Gymnasium in Steinwurfweite von einem einstigen Konzentrationslager waehrend der NS-Zeit muss als Chance fuer nachhaltige Erinnerungskultur begriffen werden. Dazu existiert am Gymnasium Hermeskeil seit 1983 Projektarbeit. An ihr koennen unsere Schuelerinnen und Schueler in der Regel ab der Mittelstufe teilnehmen. So ergibt sich die Moeglichkeit zu entdeckendem, praxisorientiertem Lernen sowie einer spezifischen Foerderung von Heranwachsenden nach Eignung und Neigung. Hand- und Kopfarbeit ergaenzen einander. Besondere Leistungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern an einem Projekt kann die Schule auf Zeugnissen vermerken. Durch Teilnahme an einem Projekt erwachsen Kenntnisse und Wissen ueber die Wirkungen eines totalitaeren Systems, das politische, weltanschauliche und rassistische Intoleranz sowie Vernichtung angeblich Minderwertiger zur Maxime seines Selbstverstaendnisses gemacht hatte. Wer dies wirklich begreift, faellt auf extremistische Parolen nicht herein und kann ihnen argumentativ begegnen. Voraussetzung ist neben engagiertem Eintreten fuer grundlegende Menschenrechte daher nuechterne, altersstufengemaesse Sachkenntnis. Da sich Schuelerpopulationen und Forschungsstand veraendern, werden entsprechende Lerninhalte, Arbeitsformen und Ergebnisse staendig angepasst. Der lehrplangemaesse Unterricht zum NS-System allein vermag das im Schulalltag selten zu leisten, was als eine Art Generationenvertrag zu verstehen ist. Zudem erwaechst aus dem zunehmenden Abstand zur NS-Zeit moeglicher Weise die Gefahr einer Historisierung. Sie wiederum koennte das Problembewusstsein fuer die Singularitaet bestimmter NS-Verbrechen verblassen lassen. »Nationalsozialismus vor der Haustuer« gehoert zu unserem historischen Erbe, zu dem wir uns bekennen muessen. Angemessener Umgang damit ist unabdinglich. Mit diesem Erbe kann man sich emotional mittels Abscheu auseinandersetzen oder ethisch darueber reflektieren. Wuenschenswert ist eine gleichrangige Auseinandersetzung nach den Regeln kritischer Rationalitaet. |
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| Fakten: |
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Vereinfachtes Diagramm zur Haeftlingsverteilung (1939-1945) nach Staatsangehoerigkeiten (1939), Kenntnisstand März 2000.
Karte zur Dislozierung von Nebenlagern und »Kommandos« des KZ »SS-Sonderlager Hinzert« (1939-1945), Kenntnisstand Mai 2001.
Mitglieder der Projektgruppe, ihre luxemburgischen Partner, deutsche Zeitzeugen zusammen mit dem ehemaligen luxemburgischen Haeftling Jos Meunier (hinten Mitte), Generalsekretaer der »Amicale de Hinzert«, der luxemburgischen Organisation ehemaliger Hinzert-Haeftlinge (Foto VG Hermeskeil, Mai 2000) |
Das ehemalige »SS-Sonderlager Hinzert« stellte verwaltungsrechtlich einen hoechst interessanten Sondertypus eines Konzentrationslagers waehrend des Dritten Reiches dar: Die Folgen von Rassenwahn und die Organisation des NS-Lagersystems waehrend der Kriegsphase des NS-Regimes lassen sich hierbei wegen seiner zeitlich und inhaltlich unterschiedlichen Aufgaben gut nachweisen. Die besonderen Aufgabenfelder - sie liefen erst Ende November 1944 aus - und die sehr unterschiedlichen Haeftlingsgruppen ueberschnitten sich zeitlich. Juedische »Schutzhaeftlinge« sind als Minderheit bis 1943 nachweisbar; auch fuer Sinti und Roma gibt es vereinzelte Hinweise. Mit insgesamt etwa 14.000 maennlichen Haeftlingen aus ueber 20 heutigen Staaten und vermutlich ca. 1.000 Todesopfern, von denen sich bislang ueber 300 Todesfaelle dokumentieren liessen, zaehlte dieses Konzentrationslager zu den vergleichsweise kleineren Haftstaettensystemen; als Vernichtungslager war es nicht ausdruecklich konzipiert gewesen. Es belegt aber die europaeische Dimension der NS-Gewaltherrschaft im Krieg (vgl. verkleinertes Diagrammbeispiel links). Haftstaettensystem meint: Zum Stammlager Hinzert gehoerten zahlreiche Nebenlager und Aussen-»Kommandos« (vgl. verkleinerter Kartenausschnitt links). Vor allem hier verwirklichte sich das Prinzip brutaler Sklavenarbeit, ab Fruehjahr 1942 zentral gesteuert durch das Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS. Weder vom SS-Lagerteil noch vom ehemaligen »Schutzhaftlager« existieren sichtbare Bauten. Die Entscheidung, den gesamten Lagerkomplex spurlos abzutragen, wurde von der franzoesischen Militaerverwaltung getroffen. Sie richtete zwischen 1946 und 1948 die heutige landeseigene Gedenkstaette als »Ehrenfriedhof« innerhalb des ehemaligen SS-Lagerteils ein; somit wird insgesamt ein historischer Prozess im Umgang mit der NS-Zeit bis hin zur Gegenwart gespiegelt. Eindrucksvolle Orte des Grauens befinden sich in den umliegenden Waeldern, wo die Lagerkommandantur seit 1941 Tote hatte verscharren lassen. Die Leere und der Bewuchs des eigentlichen Haftlagergelaendes sowie die unterschiedlichen Gedenkstellen in den Waeldern erfordern paedagogisch besonders ueberlegte Formen fuer gedenkstaettenpaedagogische Vorbereitung, Darbietung und Nachbereitung: Hier sollte keine Lehrkraft oder Lerngruppe darauf vertrauen, durch eine Art Freilichtmuseum der Unmenschlichkeit geschleust zu werden. Die Gedenkstaette wird von einem Gedenkstaettenpfleger in wuerdigem Zustand erhalten. Um zentrale Dokumentation bemueht sich und bietet an eine empfehlenswerte Ausstellung zum ehemaligen »SS-Sonderlager/KZ Hinzert« die »Landeszentrale fuer politische Bildung Rheinland-Pfalz«: Ein Besuch des »NS-Dokumentationszentrums« in der landeseigenen »Gedenkstaette ehemaliges Konzentrationslager Osthofen« (Rheinhessen) lohnt (Kontakt: siehe unten, Hilfen); denn hier stehen waehrend der Oeffnungszeiten qualifizierte Kraefte fuer Fuehrungen zur Verfuegung. Die praktische Arbeit der Projektgruppe am Gymnasium Hermeskeil beschraenkte sich stets auf das regionale und insbesondere unmittelbare Umfeld des ehemaligen KZ-Stammlagers; Buerger, Behoerden und vor allem die Forstverwaltung unterstuetzten seit den 90er Jahren die Bemuehungen. In diesem Rahmen vermochte die Projektgruppe seit 1983 Anstoesse zu geben. Sie wurden spaeter, nachdem das Referat 2 der »Landeszentrale fuer politische Bildung Rheinland-Pfalz« eine Gedenkstaettenkonzeption entwickelt hatte, teilweise aufgegriffen oder zeitweise in die staatliche Gedenkarbeit integriert. Vorausgegangen war stets solide Recherchearbeit, teilweise mittels Archivmaterials; in wissenschaftspropaedeutisches Arbeiten einzufuehren, gehoerte bisher zu den Bildungszielen eines Gymnasiums. Daher wurde eine umfangreiche Dokumentation angelegt (z.Zt. ca. 9 lfd. m Akten- und Bildmaterial, tlw. EDV-erfasst). Wichtige Hilfen bedeuteten Kontakte zu ueberlebenden einstigen Haeftlingen, vor allem aus Luxemburg, Belgien, den Niederlanden sowie aus Frankreich. Die Begegnung mit ihnen hinterliess tiefe Eindruecke, wenn sie aus ihrer Haftzeit berichteten. Aber auch diskret zu behandelnde Hinweise aus der Bevoelkerung des Lagerumfelds waren fuer die Arbeit der Projektgruppe hilfreich. Vor allem engagierte Paedagoginnen, Paedagogen und Jugendliche aus Luxemburg (Foyer Saint Joseph Fadep et Foyer d' Accueil, ein kirchliches Alumnat, 16, rue du Golf, L-1638 Luxembourg-Sennigerberg, unter der Leitung von Herrn Dipl.Paed. Oswald) haben gemeinsam mit Hermeskeiler Gymnasiastinnen und Gymnasiasten wichtige Projekte vorangetrieben. Internationale Begegnungen und Tagungen zum Themenumfeld des KZ Hinzert fanden haeufig an unserem Gymnasium statt. Schon oefter erhielten
die engagierten Jugendlichen Anerkennung für ihr Wirken: Dazu zaehlten
z.B. ehemalige Haftopfer des einstigen Schreckenslagers, die schon haeufig
unsere Schule besuchten, oder hochrangige diplomatische Vertreter aus
Nachbarlaendern. |
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| Hilfen: |
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»Ehrenfriedhof« von 1946 und »Hinzerter Kreuz«, im Vordergrund Mahnmal des luxemburgischen Kuenstlers Lucien Wercollier von 1986, Aufnahme Juni 2002
»Suehnekapelle« von 1948, erbaut auf Initiative des Beurener Pfarrers Wilhelm Fortuin, Aufnahme Juni 2002. Pfarrer Fortuin (*1901-1970+) war stets eine so warmherzige wie kantige und temperamentvolle Persoenlichkeit gewesen. Wegen seiner Konflikte mit der Partei hatte ihn Bischof Dr. Bornewasser 1937 aus Bad Kreuznach nach Beuren (Hochwald) abziehen muessen. Unbeeindruckt von Kontaktverboten mit Haeftilingen pflegte er sie bei Begegnungen im Lagerumfeld zu segnen. Vermutlich nach Reibungen mit der Besatzungsmacht 1949/50 im Zusammenhang mit dem Transfer des letzten verbliebenen Baudokuments auf dem einstigen Haftlagergelaende, der »Lagerarrestanstalt« (sog. Bunker), versetzte ihn Dr. Bornewasser 1951 nach Illingen (damals frz. Saargebiet), wo er engagiert fuer eine verfolgte Minderheit wirkte: Sinti und Roma. Die Kapelle dokumentiert, dass die deutsche Seite sehr frueh den Gedanken von Erinnerungskultur aufzugreifen versucht hatte und ein sichtbares Zeichen zu setzen verstand. Noch heute wird die Kapelle von Glaeubigen der Umgebung zu Gedenkmessen verwendet. Pfarrer Fortuins Ansatz hat somit Fruechte getragen ... |
Im Bereich der landeseigenen Gedenkstaette »Ehemaliges SS-Sonderlager/KZ Hinzert« existieren derzeit knappe Informationsmoeglichkeiten. Offizielle Gedenkstellen im Umfeld hat die »Landeszentrale fuer politische Bildung Rheinland-Pfalz«, Referat 2 (Gedenkarbeit), mit Informationstafeln versehen. Eine mehrsprachige kostenfreie Broschuere in der »Suehnekapelle« - herausgegeben in Zusammenarbeit mit einem in Wittlich (Eifel) ansaessigen Foerderverein - schildert aus der Sicht der »Landeszentrale« wichtige Grundinformationen. Die »Landeszentrale« (Anschrift: Am Kronberger Hof 6, 55116 Mainz, Kontakt: Tel. 06131162970, Fax: 06131162980, E-Mail: lpb.zentrale@politische-bildung-rpl.de) stellt auf Anfrage weitere Materialien zur landeseigenen Gedenkarbeit zur Verfuegung. Derzeit fehlt ein Besucherdienst
vor Ort; die genannten Institutionen bieten auf Anfrage offizielle Fuehrungen
an. Kontakt: »Landeszentrale für politische Bildung«, Referat
2 (Gedenkarbeit), Leiter des Referats: Uwe Bader; Sachgebiet oertliche Gedenkarbeit:
Dr. Beate Welter, »NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz, Gedenkstaette
KZ Osthofen«, Ziegelhuettenweg 38, 67574 Osthofen, oder: Postfach
13 38, 67566 Osthofen, Fernruf: 062 42910811, Fax: 06242910820 und Fernruf:
06242910825, Fax: 06242910829, Ziegelhuettenweg 38, vgl. auch Internet http://www.politische-bildung-rlp.de/schwerp/s_g_gh_c.htm. Wenn schulisch vereinbar,
traegt das Gymnasium Hermeskeil spezifischen Wuenschen hinsichtlich Auskunft,
Material und besonderen Fuehrungen gerne Rechnung, sofern landeseigene Gedenkarbeit
nicht beruehrt wird; dies wird betont, da die Zustaendigkeit der »Landeszentrale
fuer politische Bildung« fuer Fragen zur »Zeit des Nationalsozialismus
in Rheinland-Pfalz« und fuer staatliche Gedenkarbeit durch den Landtag
verbindlich geregelt ist.
Literaturhinweise: In der offiziellen und umfangreichen Aufsatzsammlung von Meyer, Hans-Georg/ Berkessel, Hans (Hrsg.), »Fuer die Aussenwelt seid ihr tot!« (Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, Bd. 2), Mainz 2001, ISBN 3-87439-452-2 (Verlag Hermann Schmidt, Mainz), sind mehrere Ausarbeitungen zum »SS-Sonderlager/KZ Hinzert« enthalten; sie entsprechen etwa dem Forschungsstand 1999/2000. - Ausgewaehlte Nachkriegsverfahren gegen Hinzerter Taeter wurden im Auftrag der »Landeszentrale fuer politische Bildung Rheinland-Pfalz« bearbeitet und kommentiert ediert: Puetz, Albert, »Das SS-Sonderlager/KZ Hinzert 1940-1945« (Schriftenreihe des Ministeriums der Justiz, Bd 6 u. 8, Teil1-2), Frankfurt/M 1998 u. 2001, ISBN 3-631-31686-0 u. ISBN 3-631-37679-0 (Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt/M). Eine beispielsweise aeltere, weitgehend deutschsprachige und nach wie vor nuetzliche, weil quellenreiche Monographie aus luxemburgischer Sicht von Engel, Marcel/ Hohengarten, André, »Hinzert. Das SS-Sonderlager im Hunsrueck, 1939-1945«, Luxemburg 1983, ist im Buchhandel leider vergriffen und nur noch ueber Bibliotheken zu beschaffen. - Die franzoesische Sicht mit Schwerpunkt Deportation von »Nacht und Nebel«-Gefangenen stellte der Priester und Zeitzeuge La Martinière, Joseph de, »Nuit et Brouillard à Hinzert. Les Déportés NN en Camp Spécial«, Tours 1984, dar; diese quellenreiche Untersuchung ist in deutschen Bibliotheken nur vereinzelt greifbar. - Eine Magisterarbeit von Gerstlauer, Matthias, »Das SS-Sonderlager Hinzert im Organisations- und Machtgefuege der SS«, Fachbereich III der Universitaet Trier 1996, erarbeitete z.B. Haeftlingslisten; diese Ausarbeitung ist nur ueber Fachbibliotheken zugaenglich. Eine umfangreiche Darstellung zum ehemaligen »SS-Sonderlager Hinzert« unter dem Titel »Waffen-SS. SS-Sonderlager Hinzert. Das Konzentrationslager im »Gau Moselland« 1939-1945« (ISBN 3-9802717-8-1) mit Forschungsstand Herbst 1998 ist ueber den Buchhandel, unmittelbar ueber den Verlag (Burr, 66620 Nonnweiler-Otzenhausen) oder Bibliotheken greifbar.
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| Beispiele: |
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Projekte |
Gedenkort fuer ermordete sowjetische Kriegsgefangene 1941 Gedenkort ehemalige Massengraeber von NN-Deportierten 1942/43 Gedenkort Mordstaette ehemalige Waschbaracke 1942-1944 Gedenkort ehem. Haeftlingsfriedhof 1942-1945 Luxemburger als Opfer der NS-Besatzungsherrschaft 1940-1945 Gedenkort vorbereitete Massenerschiessungsgruben 1944 Datenerfassung zu ehemaligen Haeftlingen 1939-1945 Gedenkort Zwangsarbeitsstaette ehemaliger Schieferbruch 1942-1943 |
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| Gedenkort fuer ermordete
sowjetische Kriegsgefangene 1941 |
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Gedenkstein des Gymnasiums Hermeskeil fuer die ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen der zweiten Oktoberwoche 1941. Aufnahme September 2001.
Gedenkstelle ehemalige Hubertuswiese, Ort der heimlich verscharrten Mordopfer vom Oktober 1941, Aufnahme Januar 2002. |
Oben ein Informationsentwurf im Zusammenhang mit unserer Projektarbeit: Projekttage an unserem Gymnasium schliessen regelmaessig mit Ergebnissicherung und Praesentationen ab. Zu diesem Zweck werden Informationsstaende eingerichtet, welche Mitschueler/innen, Elternschaft und Oeffentlichkeit ueber Ziele und Ergebnisse unterrichten. Die heutige Gedenkstelle hat ihre eigene Geschichte ... Sie soll exemplarisch fuer die Anfaenge unserer Projektarbeit referiert werden: Die Gedenkstelle war zur Zeit des Kalten Krieges, als sie entstand (1986), alles andere als unumstritten gewesen. So schlugen beispielsweise erregte anonyme Zusender und Anrufer dem Projektleiter vor, er solle sich »in Moskau den Leninorden abholen«, besser doch » in die DDR auswandern« - und er sei »vermutlich ein Kommunistenschwein« (dabei war und ist er Mitglied in einer großen demokratischen Partei) ... Unsere damalige Kenntnis zu den entsetzlichen Vorgaengen und der heutigen Gedenkstelle beruhte auf einer handfesten Zeitzeugenaussage von 1983, Prozessberichten in der regionalen Presse von 1960/61 zu einem Trierer Strafverfahren und einer zugaenglich gewordenen Kopie des Anklageschriftsatzes, in dem allerdings vom Tatzeitraum September 1941 ausgegangen war (tatsaechlich, wie sich 1996 mittels Akten im Archiv des Conseil National de la Résistance, Luxembourg, herausstellte, zweite Oktoberwoche 1941). Die Aktenoriginale zum Trierer Verfahren selbst, die vom Landgericht Trier an das Landeshauptarchiv Koblenz abgegeben wurden, waren aus Datenschutzgruenden nur eingeschraenkt benutzbar... Die damalige zustaendige Bezirksregierung hatte Zurueckhaltung signalisiert und bestellte Schul- und Projektleiter ein. Aber unser frueherer Schulleiter, OStD i.R. Josef Lauterbach, das Kollegium, die Eltern- und Schuelerschaft bewiesen Zivilcourage und standen hinter dem Projekt. Denn uns ging es damals nur darum, gegen einstige Barbarei im Namen Deutschlands ein Zeichen der Menschlichkeit zu setzen. Ob die Mordopfer tatsaechlich kommunistische Politkommissare gewesen waren oder nicht, was nach Sachlage gar nicht einmal feststeht, das erachteten wir als nachrangig: Sie waren schlicht Menschen und wehrlose Kriegsgefangene gewesen, Mitmenschen, die arglistig und aus niedrigen Beweggruenden liquidiert worden waren. |
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| Gedenkort mutmassliche
ehem. Massengraeber von NN-Deportierten 1942/43 |
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Von Mitgliedern der Projektgruppe gemeinsam mit luxemburgischen Schuelern freigeraeumtes ehemaliges Massengrab vermutlich ehemaliger franzoesischer NN-Deportierter des KZ »SS-Sonderlager Hinzert«, Aufnahme September 2001.
Ehemalige NN-Deportierte aus Frankreich besuchten 1995 zum ersten Mal nach dem Krieg die Orte ihres Leidens, Aufnahme Mai 1995. Ihre Berichte gaben der Projektgruppe wichtige Hinweise fuer weitere Recherchen vor Ort. |
Oben ein Informationsentwurf im Zusammenhang mit einem Projekt des Jahres 2001. |
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| Gedenkort
Mordstaette ehemalige Waschbaracke 1942-1944 |
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Mitglieder eines Projekts am Gymnasium Hermeskeil u.a. zur Mordstaette ehemalige Waschbaracke, Aufnahme Juli 2001.
Blick vom Loeschteich im Haftlagerteil |
Oben ein Informationsentwurf im Zusammenhang mit einem Projekt 2001. Vgl. auch den Link zu Oberkapo Eugen Wipf, der zwischen 1942 und 1944 hier Morde beging. Die uebliche Praxis bezeichnete er in seinem Zuericher Strafverfahren 1948 als »Ersaeufen« ... |
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| Gedenkort ehemaliger
Haeftlingsfriedhof 1942-1945 |
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Ehemaliger Haeftlingsfriedhof (oben) waehrend der Exhumierungen im Fruehjahr 1946, Quelle: Photo Brucker Der erhebliche Zersetzungszustand der 1946 exhumierten Gebeine erklaert sich durch den Einsatz von Chlorkalk.
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Aufnahme Januar 2001 des ehemaligen Haeftlingsfriedhofs an der BAB A 1 mit einer symbolischen Gewaltspirale. Die 52 Steine hinter der heutigen Informationstafel der »Landeszentrale fuer politische Bildung Rheinland-Pfalz« verweisen auf die einstigen Massengraeber. Sie erstreckten sich vor ihrer Exhumierung 1946 bis unter die heutige Autobahntrasse. Freilegung und Einrichtung der Gedenkstelle erfolgten in muehevoller Handarbeit durch Hermeskeiler Gymnasiastinnen und Gymnasiasten sowie Luxemburger Schueler. |
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| Luxemburger
als Opfer der NS-Besatzungsherrschaft 1940-1945: 1942 |
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Plakatierung des NS-Terrors im besetzten Grossherzogtum Luxemburg Anfang September 1942 (Quelle: Hohengarten, André, Die Stadt Luxemburg unter NS-Herrschaft (...), Luxembourg 1995, oben), hier in Wiltz nach dem Streik gegen voelkerrechtswidrige Massnahmen des Besatzungsregimes. Die oben aufgelisteten Opfer wurden Anfang September 1942 durch SS-Personal des KZ Hinzert exekutiert und im Staatsforst Beuren verscharrt. Man weiss uebrigens aus Nachkriegsverfahren, dass sich in Hinzert SS-Dienstgrade gefahrlos der Teilnahme an Exekutionen entziehen konnten. Der luxemburgische Gedenkstein (rechts) |
Der fuer die Exekutionen |
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| Luxemburger
als Opfer der NS-Besatzungsherrschaft 1940-1945: 1944 |
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Wegen der Naehe zum Besatzungsgebiet Luxemburg und dessen »Gleichschaltung« mit dem »Moselgau« bot sich das Hinzerter KZ als »Einweisungslager« und Ort fuer »verschaerfte Vernehmungen« durch die Gestapo sowie Exekutionen an. Daher besitzen der einstige Leidensort und die heutige Gedenkstaette fuer die nationale Identitaet des Grossherzogtums eine ueberragende Bedeutung. |
Gedenkstelle fuer erschossene luxemburgische Resistenzler vom Februar 1944. Aufnahme Januar 2002. Dem »Einsatzkommando Luxemburg der Sicherheitspolizei und des SD« - sprich: der Gestapo und ihren Spitzeln - war im Herbst 1943 gelungen, einen Schlag gegen die luxemburgische Resistenz zu fuehren. Es waren verschiedene, seit 1941 deutlich anwachsende Organisationen, die den aktiven Widerstand gegen das NS-Regime trugen; sie vereinigten sich 1944 zum »Conseil National de la Résistance«. Zu den im Herbst 1943 enttarnten und gefassten Resistenzlern gehoerte u.a. auch Jos Meunier, der heutige Generalsekretaer der luxemburgischen »Amicale des Anciens de Hinzert«. Gleichzeitig waren Desertationsfaelle luxemburgischer zwangsrekrutierter Wehrmachtsangehoeriger erheblich angestiegen. So sann das NS-Regime auf Abhilfe durch exemplarischen Terror: Von den urspruenglich auf einer Konferenz der Sicherheitsorgane mit Gauleiter Gustav Simon geplanten 50 Exekutionen ausgewaehlter Resistenzler reduzierte das Reichssicherheitshauptamt in Berlin, wohl wegen unguenstiger Einschaetzung der Stimmungslage im Besatzungsgebiet, die Zahl der zu Exekutierenden auf 25 (vgl. Liste, links, Kopie, Quelle: Jos Meunier, Obercorn (L) ). Auf der Exekutionsliste (vgl. Kreuzmarkierung, Liste, links) stand auch Jos Meunier; ihm war im Hinzerter Lager die Haftnummer 7507 der Kategorie politischer »Schutzhaeftling« zugeteilt worden. Nur die angeordnete Reduzierung der urspruenglich vorgesehenen Opfer rettete sein Leben. Auf Grund eines Luftangriffs auf den Hauptbahnhof Frankfurt/M - denn einige Todeskandidaten hatten sich schon auf »Transport« in andere KZ befunden - standen nur 23 der aufgelisteten Opfer rechtzeitig zur Erschiessung zur Verfuegung: Zwei von ihnen waren schwerstkranke Patienten der Haeftlingsabteilung des St. Josef-Krankenhauses Hermeskeil gewesen. Jos Meunier hingegen wurde in »Kommandos« verschiedener Nebenlager eingeteilt und ueberlebte. |
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| Gedenkort vorbereitete
Massenerschiessungsgruben 1944 |
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Eine der zahlreichen vorbereiteten Gruben im Gemeindeforst Reinsfeld, in denen die Haeftlinge des Stammlagers liquidiert werden sollten (oben, Aufnahme September 2001). Im September 1944 war naemlich US-Kraeften kurzfristig der Einbruch in den »Westwall« gelungen. Diese Gruben wurden gemeinschaftlich mit Luxemburger Schuelern von der Projektgruppe freigelegt. Der junge franzoesische NN-Deportierte Roger Nenot nach seiner Exhumierung auf dem Gemeindefriedhof Hermeskeil Herbst 1945, Foto vermutlich Photo Brucker. |
Das Hinzerter KZ im Untergangsszenario
des »Dritten Reiches«: Das Nachkommando im aufgegebenen Lager
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| Datenerfassung
zu ehemaligen Haeftlingen 1939-1945 |
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Schuelerinnen und Schueler gaben waehrend eines Projekts Patientendaten der Haeftlingsstation von 1939 bis 1945 ein und werteten sie mittels PC aus (Foto oben, Juli 2001, statistischer Ueberblick nach Staatsangehoerigkeiten, s.o.). Erfasst wurden Krankheits- und Verletzungstypen sowie Ernaehrungszustand vor und nach der Behandlung in der Krankenstation. Im Lager selbst existierte ein so genanntes »Krankenrevier«, dessen Akten sich nur in wenigen Resten erhalten haben. |
Ein Beispiel fuer »Nationalsozialismus vor der Haustuer« und damals moegliche Resistenz an unserem Schulort ... Im vierten Obergeschoss Die
letzten ueberlebenden Krankenfaelle
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| Gedenkort
Zwangsarbeitsstaette ehemaliger Schieferbruch 1942-1943 |
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Pflege und Zugaenglichmachung von Gedenkorten war stets das Bemuehen der Projektgruppe gewesen. Die Wegeverhaeltnisse unterscheiden sich aber erheblich. Oben zwei Oberprimaner beim »Waldfegen« vor der Internationalen Gedenkfeier 2001, um die Wuerde eines Gedenkortes zu bewahren und damit kein gebrechlicher ehemaliger Haeftling stuerzt. |
Im Rahmen von Projektarbeit zugaenglich gemachte Zwangsarbeitsstaette fuer franzoesische NN-Deportierte 1942/43, der ehemalige Schieferbruch. Auch hier haben luxemburgische Schueler mitgewirkt, um den den Zugang zu diesem Gedenkort fuer Besucher ueberhaupt zu ermoeglichen. Als ihn naemlich 1995 franzoesische NN-Deportierte identifiziert hatten, waren die Zuwege 50 Jahre nach Kriegsende so gut wie zugewachsen gewesen. Fotos September 2001 und Mai 2000. |
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Dienstsiegel des KZ »SS-Sonderlager Hinzert« 1943. Es belegt u.a., dass die Peiniger der Waffen-SS (Totenkopf-Verbaende) angehoert hatten: dem W-SS (TV)-Sturmbann Hinzert. Ein regelmaessiger Austausch zwischen SS-Frontsoldaten und innerhalb des KZ-Systems foerderte die von Reichsfuehrer SS Heinrich Himmler gewuenschte »Haerte« und die Absage an »Humantitaetsduselei«. Ab Fruehjahr 1944 wurden im KZ Hinzert auch Wehrmachtsangehoerige zu KZ-Waechtern umgeschult und in die Waffen-SS (TV) ueberfuehrt. Abb. Quelle: BAL NS 4 Hi 48 (bearb.) |
Ehemaliger oeffentlicher Wegweiser bis Fruehjahr1945 zum KZ-Stammlager »SS-Sonderlager Hinzert« an der einstigen Reichsstrasse 52 Trier-Hermeskeil, Kreuzung Kreisstrasse Reinsfeld-Beuren: Die Lagerexistenz wurde nie verheimlicht, und wer wollte, konnte z.B. bei »Aussenkommandos« und waehrend der Fussmaersche vom und zum Stammlager die geschundenen Haeftlinge und die barbarische Misshandlungspraxis beobachten. Menschen in der Region warnten damals sinngemaess unvorsichtige »Volksgenossen«: »Sei still, sonst kommst Du nach Hinzert ...« Abb. Quelle: Musée de la Résistance, Esch/A (L). |
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| Danksagungen: Der Verfasser dankt insbesondere dem Archiv des Conseil National de la Résistance, Luxembourg, dem Musée de la Résistance, Esch/A., dem Musée de la Déportation et de la Résistance, Besançon, den Archives de l'Occupation Française en Allemagne..., Colmar, dem Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, dem Kreisarchiv Trier, dem NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz, Osthofen, fuer Materialien und nicht zuletzt Dank den Schuelergenerationen seit 1983 und vielen Mitgliedern des Kollegiums des Gymnasiums Hermeskeil, die aktiv bei der Gedenkarbeit mitgeholfen hatten. Als ueberaus hilfsbereit erwies sich stets
der luxemburgische ehemalige Haeftling und Generalsekretaer der »Amicale
des Anciens de Hinzert« Jos Meunier, der wegen seiner Mitgliedschaft
in einer luxemburgischen Resistenzgruppe inhaftiert worden war.
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Bildnachweis Titel: Lagerzaun, Nordwestecke Haftlager, Zustand 1948. Quelle: Archiv des Conseil National de la Résistance, Luxembourg
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