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Bildergeschichten der Klasse 5 a im Schuljahr 2010/ 2011 - "Vater und Sohn", "Der kleine Herr Jakob"

Die Kreativität unserer Kleinsten wird mit den erstellten Bildergeschichten besonders deutlich. Hier geht´s zu den Bildergeschichten der Klasse 5a.

 

   
 

Rhetorikseminar in Otzenhausen im Schuljahr 2009/10

Vom 25. bis 27. Januar 2010 nahmen 20 Schüler der 13. Jahrgangsstufe an einem Rhetorikseminar an der Europäischen Akademie in Otzenhausen teil. Eingeübt wurden u.a. das freie Reden vor einer Gruppe, das Verwenden logisch aufbauender Argumentationsstrukturen, die gelungene Selbstdarstellung sowie das sinnvolle Geben von Feedback. Im Hinblick auf das bevorstehende mündlichen Abitur, aber auch als Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche im Berufsleben oder Referate im Studium ist die Teilnahme, nicht nur wegen der herzlichen Art der Trainer, der optimalen Ausstattung und des sehr guten Essens, zu empfehlen.  

S. Hauswirth
 
 

"Von der Oder bis zum Rhein..."

Brecht als verunglückter Nationalhymnen-Poet

   
 

Kinderhymne (1949)


Anmut sparet nicht noch Mühe,
Leidenschaft nicht noch Verstand,
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land,

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin,
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern woll'n wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern,
Lieben und beschirmen wir's,
Und das liebste mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.


Brechts Kinderschreck und »Räuberin«
Abb.: Niederwald-Denkmal, Historische Ansichts-
Postkarte, vermutlich vor 1914
 
 

 

Alternativvorschlag Brechts anstelle des Textes von Johannes R. Becher (»Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt...«), der (1949-1973) DDR-Nationalhymnen-Text wurde.

Weder Brechts Hymnenfassung noch diejenige Bechers waren in der DDR Erich Honeckers ausdrücklich verboten gewesen, aber wegen des inhaltlich angespielten Vereinigungsgedankens zunehmend unerwünscht geworden.

Gedacht hatten nämlich beide Poeten,
wenn sie 1948/49 den Begriff Deutschland verwandten, an ein einziges (künftiges) Staatsgebiet ohne trennende Binnengrenzen.

Daher sorgten bis zur Wende 1989 SED und »Staatsorgane« dafür, dass nur die dazugehörige Melodie von Hanns Eisler verbreitet wurde (Spitzname: Ruinen-Walzer).

Ach, wie tröstlich Brechts hymnischer Handschlag internationalistischer Völkerverständigung nach sechs Jahren Weltkrieg und »Tausendjährigem Reich«, wenn da nicht eine garstige »Räuberin« in der poetischen Szenerie störte, welche »die Völker ... erbleichen« machte!

Aber welcher DDR-Werktätige, ohne 1948/49 dort als höchst verdächtiger Angehöriger der alten Eliten zu gelten, mochte den Sinn dieser düsteren Figur ahnen?

Urplötzlich tauchte sie auf, Schrecken verbreitend, wie im Kinderlied der Schwarze Mann.

Ein Weiteres:
Der kluge Leser merkt sogleich oder mit gelinder Nachhilfe:
Der 1949 verworfene Nationalhymnen-Vorschlag Bert Brechts wanderte nicht, wie es sich eigentlich gehört hätte, in den Papierkorb, sondern wegen des ungemein originellen wie schrecklich-schönen Motivs der bösartigen und abgestraften Hexe (... wer denkt da nicht etwa an Grimms »Hänsel und Gretel«?) als »Kinderhymne« in seine gesammelten Werke ...

Des Rätsels Lösung, und wir wollen den Leser nicht weiter auf die Folter spannen:
Mit »Räuberin« spielt Brecht auf die allegorische Symbolfigur der »Germania« an (Spitzname: Preußische Madonna), heute noch eine weithin sichtbare Touristenattraktion weinseliger Besucher ( ... eine Seilbahn ersparte ihnen schon vor dem Krieg den mühseligen Aufstieg). Zur femininen »Räuberin« fehlt jedenfalls in Brechts Hymne jegliche einleuchtende wie grammatische Aufstieghilfe. Der sublime Gedankenblitz passte ins Reim- und rhythmische Schema so gut - also nichts wie her mit dem fernen Motiv (so feinsinnig damals - ungesprengt - in der US-Zone gelegen), wo doch das Dritte Reich und seine Verbrechen für einen Brecht so nahe gelegen hätten ...
Dieses »Niederwald-Nationaldenkmal« oberhalb Rüdesheim (Rhein) war nach dem Krieg 1870/71 aus der Bronze erbeuteter französischer Geschütze gegossen worden. Es symbolisierte einst den Anspruch auf den angeblich »deutschen Rhein«. Wenn Brecht bestimmte Grenzflüsse markiert (die linksrheinische Saar beanspruchte 1948/49 Frankreich), dann umschrieb er Entwicklungen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, so auch hinsichtlich der Oder-Grenze nach der »Umsiedlung« der deutschen Bevölkerung aus den so genannten »wieder gewonnenen polnischen Westgebieten«; in letzterem Punkt übte er sich erfolgreich, anders als viele Vertriebene, als »Poeta Vates« und nüchterner Prophet. So darf die Grenzumschreibung eines von Brecht angedachten deutschen (National?)-Staates als Gegenstrophe zur übel beleumdeten ersten Strophe der früheren deutschen Nationalhymne verstanden werden. Der widerlichen »Räuberin« wurde nur alles abgenommen, was sie sich gewaltsam angeeignet hatte.

Oder besser gesagt:
Was ihr ein deutschtümelnder Revolutionär von 1848, Hoffmann von Fallersleben, in törichter Weise poetisch zugeschanzt hatte. Wie einfach ist es doch, komplexe Sachverhalte kindgerecht zu deuten...

Das lyrische Produkt Brechts selbst bedient sich insgesamt der Motivvorlage angeblich kindlicher Unschuld und kopiert eine schon damals fragwürdige Wertung zu diesem Begriffsumfeld. Als Anklang an Schillers »Anmut und Würde« ersetzt Brecht den letzteren Begriff mit werktätiger »Mühe«. Die künstlich wirkende Einbindung klassischen Erbes, dem Brecht sonst höchst reserviert begegnete, in einen moralischen (Leit- und Allerweltswort: »gut«) Neubeginn misslingt ihm jedoch:

Formal bieten Brechts Strophen in ihrer traditionellen Durchgestaltung wenig Revolutionäres im Sinn eines künstlerischen Neuaufbruchs, wie man es hätte erwarten dürfen. Hier »verfremdet« Brecht rein gar nichts, keine Spur »epischer« Distanz, alles ist so banal gemeint wie schlicht gesagt.

Brechts Motivverknüpfungen umspielen - man beachte: kaum vier Jahre nach Auschwitz - verschleiert eine Sehnsucht nach Gleichberechtigung (»Und nicht über und nicht unter...«). Die stand 1949 für alle Besatzungszonen noch in den Sternen. Wenn Friedensformeln und Aufbauappelle gleichsam konventionellen Versatzstücken aufgelistet werden, dann reicht hier Brechts sprachliches Instrumentarium nicht über Gewohntes hinaus: Antithesen, Anaphern, Parallismen und was die Klamottenkiste der Rhetorik sonst noch zu bieten hat. Die Stuttgarter Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands hatte mit ihrem Schuldbekenntnis von 1946 da ganz andere Zeichen gesetzt. Stattdessen: Das Gefühl von Scham oder Schuld wird höchst verschleiert dergestalt vorgetragen, dass sich kein von ihm angedachter Hymnen-Rezitator hätte unangenehm berührt fühlen müssen. Kaum eine Spur wegweisender Erinnerungskultur nach 1945 ...

Allerdings fehlt - anders als bei Becher - der verschleierte Hinweis auf (seitens der SED) gewünschte klassenkämpferische Veränderung der damals existierenden gesellschaftlichen Verhältnisse. Brechts Forderung nach 'Beschirmung' eines künftigen »guten« Deutschland deutet nur ganz matt auf »antifaschistische« Parteilichkeit hin. Man darf nämlich fragen: Vor wem beschirmen? Wenn Brecht die damaligen alliierten Besatzungsmächte als Befreier empfand, können sie wohl schwerlich die Adressaten sein. Da aktuell keine äußere Bedrohung anstand, waren sie nur im befreiten Vier-Zonen-Deutschland selbst zu suchen. Dem damaligen Leser zur Zeit des Kalten Krieges schwante, dass die Suche nach Friedensfeinden wohl weniger in der sowjetischen Besatzungszone zu beginnen habe ...

Brechts brave neopatriotische Reimabsonderung enttäuscht formal wie inhaltlich. Die Chance zum Neubeginn begriff er hier poetisch keinesfalls. Er hat neben Peinlichkeiten - wie viele Poeten - zum Glück überwiegend weit Besseres geliefert. Als Nationalhymne eines von der SED damals geplanten sozialistischen deutschen Modellstaates »Deutsche Demokratische Republik« eignete sich Brechts Hymnenbeitrag 1949 erst recht nicht. Keinesfalls ist damit gesagt, dass Brechts Konkurrent Becher, designierter erster Kulturminister der DDR, damals qualitativ Höherwertigeres abgeliefert hätte. Der spürte 1948/49 nur instinktsicherer die aktuelle Parteilinie in der SED-Zentrale ...

Der Text erwuchs aus einer Unterrichtsvorbereitung zur politischen Lyrik Brechts.
Volker Schneider

 

 
Impressum | Kontakt Letzte Aktualisierung: Dienstag, 3 Mai, 2011 17:45