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Rhetorikseminar in Otzenhausen im Schuljahr 2009/10Vom 25. bis 27. Januar 2010 nahmen 20 Schüler der 13. Jahrgangsstufe an einem Rhetorikseminar an der Europäischen Akademie in Otzenhausen teil. Eingeübt wurden u.a. das freie Reden vor einer Gruppe, das Verwenden logisch aufbauender Argumentationsstrukturen, die gelungene Selbstdarstellung sowie das sinnvolle Geben von Feedback. Im Hinblick auf das bevorstehende mündlichen Abitur, aber auch als Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche im Berufsleben oder Referate im Studium ist die Teilnahme, nicht nur wegen der herzlichen Art der Trainer, der optimalen Ausstattung und des sehr guten Essens, zu empfehlen. S. Hauswirth |
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"Von der Oder bis zum Rhein..."Brecht als verunglückter Nationalhymnen-Poet |
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Kinderhymne (1949)
Daß die Völker nicht erbleichen Und nicht über und nicht unter Und weil wir dies Land verbessern, |
![]() Brechts Kinderschreck und »Räuberin« Abb.: Niederwald-Denkmal, Historische Ansichts- Postkarte, vermutlich vor 1914 |
Alternativvorschlag Brechts anstelle des Textes von Johannes R. Becher (»Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt...«), der (1949-1973) DDR-Nationalhymnen-Text wurde. Weder Brechts Hymnenfassung noch diejenige Bechers waren in der DDR Erich Honeckers ausdrücklich verboten gewesen, aber wegen des inhaltlich angespielten Vereinigungsgedankens zunehmend unerwünscht geworden. Gedacht hatten nämlich beide Poeten, Daher sorgten bis zur Wende 1989 SED und »Staatsorgane« dafür, dass nur die dazugehörige Melodie von Hanns Eisler verbreitet wurde (Spitzname: Ruinen-Walzer). Ach, wie tröstlich Brechts hymnischer Handschlag internationalistischer Völkerverständigung nach sechs Jahren Weltkrieg und »Tausendjährigem Reich«, wenn da nicht eine garstige »Räuberin« in der poetischen Szenerie störte, welche »die Völker ... erbleichen« machte! Aber welcher DDR-Werktätige, ohne 1948/49 dort als höchst verdächtiger Angehöriger der alten Eliten zu gelten, mochte den Sinn dieser düsteren Figur ahnen? Urplötzlich tauchte sie auf, Schrecken verbreitend, wie im Kinderlied der Schwarze Mann. Ein Weiteres: Des Rätsels Lösung, und wir wollen den Leser nicht weiter auf die Folter spannen: Oder besser gesagt: Das lyrische Produkt Brechts selbst bedient sich insgesamt der Motivvorlage angeblich kindlicher Unschuld und kopiert eine schon damals fragwürdige Wertung zu diesem Begriffsumfeld. Als Anklang an Schillers »Anmut und Würde« ersetzt Brecht den letzteren Begriff mit werktätiger »Mühe«. Die künstlich wirkende Einbindung klassischen Erbes, dem Brecht sonst höchst reserviert begegnete, in einen moralischen (Leit- und Allerweltswort: »gut«) Neubeginn misslingt ihm jedoch: Formal bieten Brechts Strophen in ihrer traditionellen Durchgestaltung wenig Revolutionäres im Sinn eines künstlerischen Neuaufbruchs, wie man es hätte erwarten dürfen. Hier »verfremdet« Brecht rein gar nichts, keine Spur »epischer« Distanz, alles ist so banal gemeint wie schlicht gesagt. Brechts Motivverknüpfungen umspielen - man beachte: kaum vier Jahre nach Auschwitz - verschleiert eine Sehnsucht nach Gleichberechtigung (»Und nicht über und nicht unter...«). Die stand 1949 für alle Besatzungszonen noch in den Sternen. Wenn Friedensformeln und Aufbauappelle gleichsam konventionellen Versatzstücken aufgelistet werden, dann reicht hier Brechts sprachliches Instrumentarium nicht über Gewohntes hinaus: Antithesen, Anaphern, Parallismen und was die Klamottenkiste der Rhetorik sonst noch zu bieten hat. Die Stuttgarter Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands hatte mit ihrem Schuldbekenntnis von 1946 da ganz andere Zeichen gesetzt. Stattdessen: Das Gefühl von Scham oder Schuld wird höchst verschleiert dergestalt vorgetragen, dass sich kein von ihm angedachter Hymnen-Rezitator hätte unangenehm berührt fühlen müssen. Kaum eine Spur wegweisender Erinnerungskultur nach 1945 ... Allerdings fehlt - anders als bei Becher - der verschleierte Hinweis auf (seitens der SED) gewünschte klassenkämpferische Veränderung der damals existierenden gesellschaftlichen Verhältnisse. Brechts Forderung nach 'Beschirmung' eines künftigen »guten« Deutschland deutet nur ganz matt auf »antifaschistische« Parteilichkeit hin. Man darf nämlich fragen: Vor wem beschirmen? Wenn Brecht die damaligen alliierten Besatzungsmächte als Befreier empfand, können sie wohl schwerlich die Adressaten sein. Da aktuell keine äußere Bedrohung anstand, waren sie nur im befreiten Vier-Zonen-Deutschland selbst zu suchen. Dem damaligen Leser zur Zeit des Kalten Krieges schwante, dass die Suche nach Friedensfeinden wohl weniger in der sowjetischen Besatzungszone zu beginnen habe ... Brechts brave neopatriotische Reimabsonderung enttäuscht formal wie inhaltlich. Die Chance zum Neubeginn begriff er hier poetisch keinesfalls. Er hat neben Peinlichkeiten - wie viele Poeten - zum Glück überwiegend weit Besseres geliefert. Als Nationalhymne eines von der SED damals geplanten sozialistischen deutschen Modellstaates »Deutsche Demokratische Republik« eignete sich Brechts Hymnenbeitrag 1949 erst recht nicht. Keinesfalls ist damit gesagt, dass Brechts Konkurrent Becher, designierter erster Kulturminister der DDR, damals qualitativ Höherwertigeres abgeliefert hätte. Der spürte 1948/49 nur instinktsicherer die aktuelle Parteilinie in der SED-Zentrale ... Der Text erwuchs aus einer Unterrichtsvorbereitung zur politischen Lyrik Brechts. |
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