Ein Beitrag von Charlotte Radies (MSS13) für den Geschichts-Leistungskurs
„Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ – George Santayana
Unter diesem Gedanken setzte sich der Geschichts-Leistungskurs der MSS 13 intensiv mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und insbesondere mit der Verfolgung und Ausgrenzung jüdischer Menschen auseinander. Ausgangspunkt unserer Auseinandersetzung war die Wanderausstellung „Die Toten des Pogroms 1938 in Rheinland-Pfalz und im Saarland“, die von der Gedenkstätte KZ Osthofen an unser Gymnasium Hermeskeil ausgeliehen wurde. Anhand biografischer Zeugnisse erinnert sie an Jüdinnen und Juden, die infolge der Novemberpogrome durch Misshandlungen, die Haft in Konzentrationslagern, Suizid oder an den Spätfolgen der Verfolgung ums Leben kamen.
Bereits im Unterricht arbeiteten wir uns in die Inhalte der Ausstellung ein. Dabei beschäftigten wir uns mit historischen Quellen, Zahlen und persönlichen Schicksalen und setzten uns mit der regionalen Dimension der nationalsozialistischen Verfolgung auseinander. Die statistischen Angaben machten dabei deutlich, welche Ausmaße die Verfolgung hatte, während die persönlichen Geschichten den einzelnen Menschen hinter diesen Zahlen ein Gesicht gaben.
Unsere Auseinandersetzung mit der Ausstellung beschränkte sich jedoch nicht auf unseren eigenen Kurs. Wir hatten auch die Möglichkeit, jüngeren Schülerinnen und Schülern die Ausstellung zu präsentieren und ihre Inhalte zu vermitteln. Dadurch wechselten wir selbst von der Rolle der Lernenden in die der Vermittler. Die Vorbereitung auf diese Präsentationen führte dazu, dass wir uns noch intensiver mit den historischen Zusammenhängen und der Bedeutung einzelner Exponate auseinandersetzten.
Am 28. August brachten wir die Ausstellung schließlich wieder zurück nach Osthofen und verbanden dies mit einer Exkursion zur dortigen Gedenkstätte. Wir erhielten eine informative Führung durch die Gebäude des ehemaligen Konzentrationslagers. Ein Schwerpunkt lag auf der Propaganda in den frühen Konzentrationslagern. Dabei wurde deutlich, wie die Nationalsozialisten versuchten, die Existenz der Lager gegenüber der Öffentlichkeit darzustellen und ihre tatsächliche Funktion zu verschleiern.
Darüber hinaus beschäftigten wir uns mit den unterschiedlichen Schicksalen der Inhaftierten. Besonders eindrücklich war die Auseinandersetzung mit der sogenannten „unnützen Arbeit“, die nicht dem Erreichen eines sinnvollen Arbeitsziels diente, sondern gezielt als Bestrafung und zur Erniedrigung der Gefangenen eingesetzt wurde. Die persönlichen Lebensgeschichten verdeutlichten dabei die individuellen Folgen der nationalsozialistischen Verfolgung.
Ein weiterer Schwerpunkt der Führung war der Umgang mit dem ehemaligen Konzentrationslager Osthofen nach dem Ende des Nationalsozialismus. Dabei erfuhren wir, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit keineswegs selbstverständlich war. Der Umgang mit dem ehemaligen Lager war über längere Zeit auch von Leugnung, Ablehnung und Kritik an einer Auseinandersetzung mit der Geschichte geprägt. Die Entwicklung der heutigen Gedenkstätte zeigt damit zugleich, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit verändert hat.
Besonders wertvoll war für uns die Verbindung zwischen den im Unterricht besprochenen Quellen und dem anschließenden Besuch des historischen Ortes. Inhalte, die wir zuvor anhand von Texten, Bildern und Zahlen kennengelernt hatten, konnten wir nun mit dem konkreten Ort und seiner Geschichte verbinden. Dadurch wurden die behandelten Themen für uns greifbarer und ermöglichten einen anderen Zugang zu den historischen Ereignissen.
Insgesamt war die Exkursion eine eindrückliche und lehrreiche Ergänzung unseres Geschichtsunterrichts. Die Kombination aus der Arbeit mit der Wanderausstellung, der Vermittlung ihrer Inhalte an jüngere Schülerinnen und Schüler und dem Besuch der Gedenkstätte Osthofen ermöglichte uns eine vielseitige Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Gleichzeitig wurde uns bewusst, dass Erinnerung nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder neu vermittelt, hinterfragt und bewahrt werden muss.


